PRESSEMITTEILUNG – 28.08.2012

Rassismus beim offiziellen Gedenken in Rostock-Lichtenhagen?

Kein Zutritt trotz Einladung: Am Sonntag wurde zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. der Einlass zur zentralen Gedenkveranstaltung in Rostock-Lichtenhagen mit Bundespräsident Joachim Gauck verwehrt - ohne Begründung. Während sich die Vertreter des Staats und der Stadt der vermeintlich großen Fortschritte im Kampf gegen Rassismus rühmten, mussten die tatsächlich Betroffenen von Rassismus außen vor bleiben. Dies war jedoch nicht der erste vorfall, der den Vorwurf eines rein "weissen" Gedenkens an die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und des Umganges mit Betroffenen von rassistischer Gewalt und ihren Angehörigen provoziert. Schon den Zentralrat der Sinti und Roma hatte man zu Beginn vergessen einzuladen, obwohl gerade Roma in Rostock mit betroffen waren. Das Bündnis fordert die Aufklärung der möglicherweise rassistisch motivierten Vorfälle und Äußerungen bei und im Umfeld der Veranstaltung.

"Der Auftritt von Bundespräsident Gauck und die so genannte "zentrale Gedenkveranstaltung" dürfte insbesondere jenen gefallen haben, die die Pogrome losgelöst von historischen und politischen Kontinuitäten als isoliertes Ausnahme-Ereignis der Vergangenheit sehen und Neonaziproblem abhaken wollten. Im Vordergrund standen Geschichtsklitterung, Verharmlosung, Opfer-Täter-Umkehr und Realitätsverweigerung", erklärt das Bündnis "20 Jahre nach den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen - Das Problem heißt Rassismus".

Auch dass der Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) weder an der Kundgebung noch der Großdemonstration des Bündnisses teilgenommen hat, ist nach der Kriminalisierungsstrategie von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und den Versuchen die Gedenkveranstaltung Gauck als das einizig "wahre" und "richtige" Gedenken darzustellen, kaum verwunderlich.

Ebenso fordert das Bündnis eine umfassende Aufklärung über die nächtliche Polizeiaktion am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen. "Wie konnte eine zertrümmerte Glasscheibe in einem Zug zu umfassenden Durchsuchungen und ED- Behandlungen von annähernd 100 Fahrgästen des letzten Zuges aus Rostock führen. Der Schaden steht in keinerlei Verhältnis zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Die Aktion steht vielmehr für den Versuch der Kriminalisierung der Betroffenen sowie der Datensammelwut so genannter Sicherheitsbehörden im Umfeld von als »links« eingestuften Großveranstaltungen", so das Bündnis.

 

 

Rostock-Lichtenhagen 2012:            Gedenken in weiss.